1.
Graffiti, theoretische Grundlagen
| 1.
Die grundlegenden Formen: |
Dreieck |
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Rechteck |
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Raute |
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Kreis |
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Elypse |
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Linie |
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Punkt |
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Graffiti
bedient sich dieser Grundformen mit höchster Dynamik, d.h. in permanenter
Kombination.
Doch sollten wir auf keinen Fall vergessen, dass Graffiti seinen Ursprung
im Schreiben hat,
wie uns das Wort ?Writer? aufzeigt, fälschlich werden
?Writer? im Deutschen als ?Sprüher?
bezeichnet. Die adequate Bezeichnung wäre also ?Schreiber?,
da der ?Writer? im Grunde
nichts weiter tut, als seinen Namen zu schreiben.
Der ?Writer? befasst sich streng genommen nicht mit Malerei,
sondern viel mehr mit Typografie,
die Lehre über die Gestaltung der Schrift. Im grafischen Bereich
wird eine Schrift als Type
bezeichnet. (Manche Writer sehen den Grundansatz auch in der Kaligrafie.)
Übung:
Nun
beurteilen wir anhand der beiden Abbildungen die typografische Genauigkeit,
so zu sagen
wollen wir die Lesbarkeit überprüfen. Versuche bei beiden Bilder
heraus zu finden was
geschrieben wurde.
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Abb.
1
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| Abb.
2 |
Auflösung
unserer Übung
In
Abbildung 1 können wir folgende mögliche Wörter/Namen erkennen:
NABr, NAPr, NAPO, KAPO.
Tatsächlich wurde das Wort KAPO geschrieben.
In
Abbildung 2 können wir mögliche Wörter/Namen erkennen:
SEUE, SEUF, SELF.
Tatsächlich geschrieben wurde SELF.
Ich
möchte behaupten, dass der ?Style? in Abb. 2 leichter
zu lesen ist als in Abb. 1.
ABER:
Lesbarkeit ist nicht unser Ziel, sondern DESIGN im Sinne von Graffiti.
Um Lesbarkeit sollen sich Typografen und Grafiker kümmern.
Warum
ist dies so?
Schauen
wir weiter.
Wie
oben angesprochen geht es im Graffiti um Buchstaben, d.h. die Form des
Buchstaben ist Grundvoraussetzung für unser weiteres Gestalten. Oder
radikal formuliert ein A ist ein A und
sonst nichts Anderes, eine B ist ein B, usw.!
Es macht keinen Sinn die Form eines Buchstaben nach Lust und Laune zu
gestalten.
Grundlage unseres Buchstabendesigns ist die Anatomie des Buchstaben.
Gerade
Anfänger neigen dazu, durch Massen an Formen einen möglichst
"harten" bzw. "wilden"
Style zu zeichnen, die aber leider oft nicht der Anatomie der Buchstaben
entsprechen und in sich
nicht proportional zu einander verhalten.
Ein Anfängerproblem ist auch das Gefühl
für Proportionen,
dies lässt sich nur durch Training, Selbstreflektion und Kritik lösen.
Auch
wenn es langweilig erscheint, zeichne erst einfache und harmonische Buchstaben!
Lass dich nicht von "Wildstyles" beeindrucken, Writer die solche
Styles zeichnen machen
das meist schon eine Weile.
2.
Grundlegender Aufbau eines Buchstaben im Graffiti
Betrachten
wir die beiden folgenden Abbildungen.
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| Abb.
3 |
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| Abb.
4 |
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Abbildung
3 hat ein klares Schriftbild, alle Buchstaben sind erkennbar, das Gesamtbild
ist gleichmäßig.
Abbildung 4 ist das krasse Gegenteil, zu dem sind einige Buchstaben fast
unkenntlich,
anatomisch unkorrekt.
Abbildung 4 ist vergleichbar mit Abbildung 2 (KAPO).
Um
solche Fehler zu vermeiden werden im Graffiti Buchstaben in sog. Blockbauweise
gezeichnet.
Merke:
Graffiti verwendet zu 98% Großbuchstaben da diese das Maximum an
anatomischen
Möglichkeiten bieten.
3.
Konstruieren der Buchstaben in Blockbauweise
Exemplarisch
arbeiten wir mit dem Buchstaben E.
In
Abbildung 5a habe ich alle Blöcke die zur Konstruktion des E`s notwendig
sind nummeriert.
Block 1 und Block 2 sind die Basisblöcke die die Grundform des E
ergeben, Block 3 dient zum Gewichtsausgleich da durch den Basisblock 1
im unteren Bereich eine starke Bewegung nach
rechts entsteht. Block
4-6 sind reine Dekorationsblöcke, die den Buchstaben ?aufstylen?
und
Volumen geben.
Vorweggenommen möchte ich anmerken, dass die Dekoblöcke gut
genutzt werden können um
mehrere Buchstaben zu verbinden und "Lücken" in einem Style
zu "füllen". In Abb. 5c sehen wir
die Wirkung des E`s ohne Dekoblöcke also nur die zwei Basisblöcke
die die Grundform des E`s
ergeben. Diese Grundform bestimmt das Design und soll bereits sauber gezeichnet
sein, Deko-
blöcke können dann nach Belieben oder Notwendigkeit angefügt
werden.
In
Abbildung 5b ist die Nummerierung weggelassen. Dadurch ist deutlich zu
sehen, dass die
Blöcke durchgezogen sind. Um eine optimale Harmonie und Proportion
der einzelnen Blöcke zu
erreichen, muß jeder Block als eigenes Objekt gezeichnet werden.
Überflüssige Linien werden
radiert, bzw. bei einem Bild an der Mauer übersprüht.
Die Form soll nicht wie ein Rahmen in einem Zug gezeichnet werden.
Was
passiert wenn wir diese Technik der Bockbauweise nicht anwenden ist in
der Abbildung
6a bzw. 6b zu sehen.
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| Abb.
6a |
Abb.
6b |
Abbildung
6a bzw. 6b zeigen ein E welches nicht in Blockbauweise gezeichnet wurde.
Wenn wir dieses E genau betrachten, können wir feststellen, dass
die Linienführung wackelig
ist, die Proportionen nicht einwandfrei sind und worauf es ankommt; die
Linien der Blöcke
treffen nach der Unterbrechung nicht aufeinander (gekennzeichnet durch
a und b). Durch die
?Rahmenkonstruktion? entstehen unlogische Blockverbindungen.
Dieses Problem wird durch
die Blockbauweise vermieden.

In
diesem Beispiel wird das Dreieck
auch ohne Linien wahrgenommen. |
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Wir
setzen eine Linie im Geist, also virtuell, fort, zu
erkennen in der Abbildung links. Ist die virtuelle Linie
gebrochen, nimmt das Auge dies wahr und empfindet
die Linienführung als unharmonisch bzw. unsauber.
Erst durch diese Sauberkeit entsteht "Brillianz".
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Um
die Blockbauweise, im Sinne der Basisblöcke noch mal zu verdeutlichen
schauen
wir uns mal ein ganz normales E an wie wir es aus normalen Schriften kennen.
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| Abb.
7a |
Abb.
7b |
Es
ist ersichtlich dass ein E aus 4 Basisblöcken besteht.
Dieses
ganz einfache E, welches wir täglich in Zeitungen, im Schulbuch,
in Magazinen und
auf Plakaten sehen, folgt dem selben Prinzip, das man als Blockbauweis
bezeichnet.
Dieses E entsteht jedoch auf statische und starre Weise, denn dieses E
wendet nur
eine Grundform an, das Rechteck.
Graffiti wendet jedoch auch alle anderen Formen
wie Dreiecke, Kreise, Ellipsen, Bögen,
Linien etc. gleichzeitig und dynamisch an.
An
dieser Stelle wenden wir uns einer Thematik zu, die theoretisch schwer
oder fast gar
nicht zu erläutern oder eine Frage der Kreativität und des Ideenreichtum
ist.
4.
Die Formvariation
Hierzu
exemplarisch einige Variationen eines E`s.
Wie
unschwer zu erkennen ist, die Variierungsmöglichkeiten sind sehr
hoch, wenn nicht unendlich,
jedoch, wie anfangs erläutert, ein E ist ein E und nichts anderes.
Beachte auch die Wirkung der
Lettern, wie z.B. sachlich, agressiv, gestaucht.
Ein
Buchstabe, obwohl er ansich immer gleich ist, lässt sich in unterschiedlichste
Formen bringen,
im Prinzip wie unterschiedliche Handschriften. Dies ist jedoch erst möglich,
wenn wir die Blockbau-
weise virtuos anwenden können, so wie ein Klavierspieler erst die
Grundlagen der Musik und alle
Grundgriffe beherschen muss, bevor er eine Improvisation spielen kann.
Grundsätzlich
sollte man mit einfachen Buchstaben anfangen, um ein Gefühl für
Harmonie und
Proportion zu entwickeln.
Wohin
dies führen kann sehen wir in der unteren Abbildung.
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Style "Steil"
Hier den Style in Endversion betrachten.
Dieser
Style ist nicht mehr lesbar, jedoch wurde hier die Blockbauweise
konsequent
angewandt. Geschrieben wurde hier ?STEIL?. Graffiti
hat nicht das Ziel lesbar zu sein,
doch ist solch ein sog. ?Wildstyle? ohne Blockbauweise
nicht zu ereichen. Oder anders
ausgedrückt, Blöcke und Ecken etc. unlogisch anzubringen
um eine maximale ?Wildheit?
des Styles zu erreichen verfehlt das Ziel und mindert die Gesamtästetik.
Die
oben beschriebene Technik der "Rahmenkonstruktion", also
das Zeichnen der
Outline des Buchstabens aussen rumm funktioniert evtl. noch bei
einfachem Style,
jedoch versagt sie völlig bei einem hoch kompexen Style wie
oben abgebildet.
Anzumerken
ist noch: Die "Rahmenkonstruktion"
ist aber nicht etwas was nie angewandt
wird. Bei sogenannten Throwups kommt diese
Technik zur Anwendung, da es bei
Throwups auf Geschwindigkeit ankommt. Auch sind Throwups einfacher
in ihrer Stilistik
im Gegensatz zu Styles (sog. Masterpieces).
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Style
"Koma"
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| Quelle:
Paris Tonkar 4 Ans De Graffiti (1987-1991), ISBN-2-908382-09-6|
Beispiele Throwup |
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5.
Zwei finale & wichtige Elemente des Graffiti - Schatten & Highlights
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| Wirkung
ohne ... |
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Wirkung
mit Highlights und Schatten. |
Durch
Schatten und Highlights erhält der Buchstabe mehr Dynamik und Bewegung.
Beim Zeichnen mit Bleistift wird nur der Schatten gezeichnet, da die Highlights
in der Regel in
Weiß als abschließende Arbeit an einem Style gesprüht
werden. Der Schatten sollte immer die
selbe Farbe wie die Outline haben (Rahmung des Buchstabens).
6.
Kombination einzelner Buchstaben
Richten
wir nun den Blick auf Buchstabenverbindungen.
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| "Muse" |
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| "Muse" |
Es
wird zwischen zwei Verbindungsmöglichkeiten unterschieden:
-
Verbindung durch einfache Überschneidung, markiert durch die Ellipsen.
- Verbindung durch Fortsetzung von Konstruktionsblöcken von einem
Buchstaben zu
Konstruktionsblöcken des Folgebuchstabens, markiert durch die roten
Linien.
Die
zweite Variante ist die schwierigere. Sie setzt voraus, dass man sich
beim Zeichnen des
ersten Buchstabens bereits über den Zweiten Gedanken macht, bzw.
beim zweiten Buchstaben
auf den Ersten eingeht.
Des
weiteren gibt es noch die Möglichkeiten der Überlappung, Glaseffekt,
etc. auf die ich
aber an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchte. Natürlich
besteht auch die Möglichkeit
die Buchstaben frei stehen zu lassen ohne jede Verbindung, was aber nur
angewandt wird
wenn es notwendig erscheint die Lettern leserlich zu gestalten.
7.
Das Alphabet
An
dieser Stelle zeige ich noch einmal das gesamte Alphabet im Graffitistil.
Natürlich ist dies
nur exemplarisch und entspricht einem bewusst gewähltem Design. Ein
klassisches Problem
ist, dass es am Anfang Buchstaben gibt die Probleme verursachen, ein Spezialist
ist das i.
Buchstaben die das größte kreative Potenzial bieten sind. S,
E, C, Z, T, weiter hohes potenzial
haben B, R, K,. Probleme bereiten oft M, O, U, W, X aufgrund ihrer Symetrie.
Der Anfänger sollte sich
auf Namen oder Wörter mit nicht mehr als 5 Buchstaben beschränken.
Das
langfristige Ziel ist jedoch, jeden Buchstaben des Alphabets gestalten
zu können.
Abschluss:
Dieses
Graffititutorial ist weder absolut noch umfasst es alle Bereiche des Graffiti,
es soll nur ein
Einstieg sein. Graffiti zu erlernen ist nicht eine Sache von paar Tagen,
sondern bedarf eines
längerem Studium um zu einer Perfektion zu gelangen. Ich denke dies
Graffiti-Tutorial ist ein
guter Einstieg um z.B. im Rahmen des Kunstunterrichts das Thema Graffiti
anzugehen.
Dies
ist eine Subsite von
nukemempire.de, hier gibts
wesentlich mehr Graffiti und Kunst.
Für z.B. den Kunstunterricht gibt es hier das Graffiti-Tutorial als PDF.
Sollte
es Fragen geben, ein Kontaktformular ist hier.
Alle Kunstwerke, sowohl Graffiti als auch abstrakte Kunst, Comic, Aktmalerei auf einen Blick.
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